Heute servieren wir mal `nen etwas sperrigen Blogeintrag. Es geht um die politische Dimension bei KoLa. Wenn wir nämlich gefragt werden, was KoLa werden soll, dann sind uns diese drei Begriffe wichtig zu erwähnen: KoLa ist eine Solidarische Landwirtschaft, ein Kollektiv und eine Multi-StakeholderGenossenschaft. Hinter allen drei Begriffen stecken wichtige Gedanken und Werte – zu den letzten beiden gibt‘s hier ein paar Gedanken:

Warum Kollektiv?

KoLa arbeitet als Kollektiv weil wir an die Gleichwertigkeit aller Menschen bei der gesellschaftlichen Mitbestimmung glauben. Jede*r Mensch soll sich möglichst frei entfalten und die Welt in der er*sie lebt mitgestalten können. Das gilt nicht nur an der Wahlurne, sondern auch am Arbeitsplatz.

  • Gemeinsame Betriebsführung: Deshalb gibt es bei der kollektiven Selbstverwaltung keine Chef-Etage, die das Machtwort sprechen kann, sondern es gilt, dass die Zusammenarbeit aller freiwillig und kooperativ gestaltet werden sollte. Dieses Prinzip gilt auch für die Bereichsleitungen, die koordinieren aber nicht bestimmen, leiten aber nicht herrschen.
  • Zwischen Individuum und Kollektiv: Allerdings bringt die Abwesenheit einer Chef-Etage allein noch kein harmonisches Miteinander. Im Kollektiv zu arbeiten bedeutet, mit den verschiedenen Bedürfnissen und Fähigkeiten der Kolleg*innen einen funktionierenden Betrieb zu gestalten. Das erfordert gemeinsame Werte, Informationsaustausch, Diskussion und Konsensfindung. Auch braucht es von jeder*m Einzelnen eine konstruktive Konflikt- und Lernfähigkeit, eine lösungsorientierte Grundhaltung und Achtsamkeit für informelle Machtstrukturen. Leitbild der kollektiven Organisation ist kurz gesprochen die solidarische Freiheit.
  • Egalitäres Gehaltssystem: Uns alle eint, dass wir geboren und erzogen wurden, ohne dabei mitreden zu können! >.<‘ Unsere Qualifikationen und Fähigkeiten, unsere Erfolge oder Misserfolge, haben wir uns daher immer nur bis zu einem gewissen Grad selber eingebrockt. Daraus folgt, dass wir dem Leistungsgedanken kritisch gegenüber stehen. Das heißt nicht, dass wir der einzelnen Person Verantwortung und Entscheidungsfähigkeit absprechen – aber, dass die Gehaltsunterschiede nach Leistung und Qualifikation ihre Grenzen haben müssen. Die Lohnhöhe spiegelt im Kollektiv nicht die Leistungsfähigkeit oder gar die Hierarchiestufe wieder sondern dient primär dem Lebensunterhalt und der Befähigung zum selbstbestimmten Leben, das jedem*r Einzelnen zusteht.

Warum Genossenschaft?

Die Genossenschaft ist die Rechtsform des Unternehmens und gibt uns damit eine demokratische Betriebsstruktur vor1. Als Genossenschaft sind wir nicht schlicht auf Profite aus, sondern wirtschaften für einen bestimmten Förderzweck: eine nachhaltige, solidarische Landwirtschaft. Wir orientieren uns an den genossenschaftlichen Werten der Solidarität, Fairness, Gleichheit, Demokratie, Selbstverantwortung und Selbsthilfe. Außerdem wird KoLa nicht nur Genossenschaft sondern eine Multi-Stakeholder-Genossenschaft. Was ist das?

  • Multi-Stakeholder-Genossenschaft: Das heißt, dass das Unternehmen nicht nur uns Produzent*innen gehört, sondern auch den Konsument*innen und Unterstützer*innen, die Genossenschaftsanteile erwerben. So eine Vereinigung von Konsument*innen und Produzent*innen unter einem Dach wird auch Erzeuger-Verbraucher-Gemeinschaft (EVG) genannt. Damit wollen wir erreichen, dass Konsument*innen, Produzent*innen und andere Engagierte gemeinsame Kontrolle über das Unternehmen ausüben können und, dass sich im gewissen Sinn das Unternehmen zur Gesellschaft hin öffnet.
  • Gemeinsam gestalten: Mitglieder könnten zum Beispiel mitbestimmen, wie erwirtschaftete Überschüsse verwendet werden sollen, ob damit erweiterte Naturschutzmaßnahmen umgesetzt werden sollen, ob das Geld zurück an die Mitglieder fließen soll, oder ob wir damit einen Solidaritätsfonds für Ökogemüse für Geringverdienende anlegen. Auch hier ist natürlich, wie beim Arbeiten im Kollektiv, eine gemeinsame Wertebasis und Kooperationsfähigkeit angesagt.
  • Für ein sozial-ökologisches, demokratisches Ernährungssystem: Um bei uns Gemüse zu beziehen, musst du nicht zwingend Genossenschaftsmitglied werden. Also was hat eine*r davon, es trotzdem zu tun? Als Konsument*in Mitglied in einer Genossenschaft zu sein, ähnelt im Idealfall der Mitgliedschaft in einem Verein. Es geht zum einen um persönliche Interessen, Spaß und Tätigkeit – mitackern, Ausgleich finden, mitreden. Zum anderen bist du als Genossenschaftsmitglied Teil eines wachsenden, demokratischen, lokalen Ernährungssystems. Je mehr Menschen die Genossenschaft kooperativ mitgestalten, je mehr Menschen solidarische Landwirtschaften unterstützen, sich in Ernährungsräten einbringen, in Slowfood-Gruppen mitmachen, desto mehr kann die Landwirtschaft vor den Toren der Städte den Werten und Bedürfnissen einer breiten Bevölkerung entsprechen.

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