Wie ging es eigentlich los? Hier ein Rückblick der Ereignisse.

41 ha an den Ökolandbau zu vergeben:

Die Solawi Rote Beete funktioniert so gut – die Pacht für 41 ha Kirchenland läuft bald aus – Wollt ihr das nicht machen? So oder so ähnlich – lautete das Angebot, welches die Rote Beete und Jan – Felix Anfang Mai 2018 von einem Mitglied des Tauchaer Kirchenvorstandes erhalten haben. 41 ha sind sehr viel Land für eine Solawi: Nur um die Dimensionen zu verdeutlichen – die Rote Beete bewirtschaftet gerade etwas mehr als 5 ha – und versorgt damit 180 Haushalte mit üppigem Gemüse. Es war also schnell klar, dass dieses Wachstum nur im Rahmen eines neuen Projekts und mit größeren – neuen Betriebsgebäuden verwirklicht werden könnte. Alles in allem eine völlig neue Hausnummer – größenwahnsinng – überfordernd – zuviel. Wir waren zunächst nicht interessiert.

Als sich niemand anderes aus der Bio-Branche für die Bewirtschaftung der Flächen gefunden hat – und die Kirche relativ kurzfristig eine Zusage benötigte – haben wir – als ein kleiner Teil von der Roten Beete uns am Ende doch entschieden, es zu versuchen. Letztendlich dachten wir: Wer, wenn nicht wir?! Wann, wenn nicht jetzt?! Und so war KoLa Leipzig geboren.

Je mehr wir über das Angebot nachgedacht haben – desto klarer wurde uns:

  • Ein Großteil des in Deutschland konsumierten Bio-Gemüse wird importiert – mittels fossiler Energien und hohem CO2 Ausstoß – wir heizen so unser Klima auf.
  • Die importierten Lebensmittel werden meist in wüstenähnlichen Gegenden – mit viel Sonne, aber wenig Wasser produziert – einheimische Wasserressourcen werden ausgelaugt.
  • Besonders in Spanien und Italien arbeiten Menschen mit wenig Perspektiven – wie beispielsweise Geflüchtete – unter sklavenähnlichen Zuständen und ernten die Bio-Tomaten, Paprika und Gurken für den deutschen Markt.
  • Auf Grund von kurzfristigen Denklogiken kommt bei dieser Produktion sehr viel schnell verschleißbares Plastik zum Einsatz – in der Verpackung und auch im Gewächshausanbau unter Folie.
  • Der Anteil der solidarischen Landwirtschaft in Deutschland wächst stetig – jedoch ist teilweise der Output und die Qualität zu gering um als Alternative Bewirtschaftungsform langfristig auch eine breitere Bevölkerungsschicht zu überzeugen.
  • Zudem sind BetriebsleiterInnen auch in Deutschland aufgrund kapitalistischer Verwertungslogiken meist nicht in der Lage den Menschen in den Mittelpunkt des Wirtschaftens zu stellen. Es werden billige osteuropäische ArbeiterInnen eingesetzt um den erhöhten Arbeitsaufwand im ökologischen Anbau auszugleichen. Partizipation und ein gemeinsames Arbeiten auf Augenhöhe werden ausgeschlossen. Die Rote Beete und viele andere Solawi Projekte bieten hier eine Alternative.
Ein heimischer Supermarkt mit „Plaste – Gemüse“ – wahrscheinlich aus Almeria in Spanien.

Wir – das sind jetzt zum Glück mehr und mehr Menschen, die sich Ähnliches denken – die ebenfalls motiviert sind das Konzept Solawi in größerer Dimension zu versuchen. Aus den 41 ha sind mittlerweile 32 ha geworden – da sich für 9 ha doch noch ein anderer Bio-Betrieb aus der Region gefunden hat.

Eine Frage der Größe?

Wir denken dabei nicht, dass Größer = Besser ist oder Kleiner = Schlechter. Es gibt keine „richtige“ oder „falsche“ Größe – nur richtige oder falsche Bewirtschaftungsweisen. Größer heißt zum Einen evtl. effizienter, zum Anderen aber auch weniger erprobt und daher auch risikoreicher. Schaffen wir es unseren Anspruch der Selbstorganisation, Basisdemokratie und Mitgliederpartizipation zu erhalten? Kommen wir nicht am Ende in ein Hamsterrad von Schulden, überhöhtem Leistungsanspruch, permanenter Mitgliedersuche und fortschreitender Kommerzialisierung? Wir werden sicherlich Fehler machen – vielleicht falsche Kompromisse eingehen – die Utopie wird in 3 Jahren anders aussehen als jetzt. Wir wollen den Schritt trotzdem wagen, weil nun einmal viele, viele Menschen mit gutem Essen versorgt gehören und sich etwas ändern muss am momentanen Wirtschaftssystem!

Ein Teil der Flächen im Spätsommer 2018.


Solawi 2.0. Die Zeit ist reif.

Es entstand daher ein allererstes grobes Konzept von KoLa Leipzig – mit ersten Mutmaßungen zu Investitionskosten, Bauplanungen und Ideen zur Mitgliederpartizipation. Nach einigem Hin und Her – haben uns dann Freunde von uns auf den Namen KoLa Leipzig gebracht. Noch zu dritt haben wir uns in Sehlis bei der Roten Beete per Blitzwahl zwischen KoLa Taucha und KoLa Leipzig entschieden. Am 8. Juni – einen Tag nach meinem 30ten Geburtstag – hat der Tauchaer Kirchenvorstand dem neuen Projekt den Pachtzuschlag gegeben. Es wurde ein Pachtbeginn für den Oktober 2018 vereinbart – doch auf Grund von rechtlichen Konflikten mit dem konventionellen Vorpächter hat sich der Pachtbeginn später verschoben – wir gehen davon aus im Februar 2020 auf die Flächen zu können.

Boden – Wer gibt schon gern was ab vom braunen Gold?!

An dieser Stelle wird hier vor Ort – für uns ganz konkret und persönlich – deutlich, wie es um den harten Kampf von Boden steht. Großgrundbesitzer versuchen an ihren Ländereien – welche sie kurz nach der Wende günstig pachten konnten – festzuhalten – und haben natürlich keine Lust hierbei zu verlieren. Wenn sie es doch tun – versuchen sie uns wenigstens noch Steine in den Weg zu legen und machen damit den Pachtwechsel so schwer und unberechenbar wie möglich. Wir sind natürlich verunsichert und genervt von der Situation – immerhin hängt sehr viel hiervon ab. Wir stecken nun schon tief im Projekt drin – haben teilweise unsere Jobs gekündigt und sind natürlich mehr und mehr von der Idee und baldigen Umsetzung von KoLa Leipzig überzeugt. Wir kämpfen daher für den frühestmöglichen Pachtbeginn!

Und zum Schluss: Abschieds – Trekker fahren!

Und nun zum Schluss noch ein kurzes Video vom Traktor fahren bei der Roten Beete. Jan – Felix und ich sind nun dort nicht mehr angestellt – um Vollzeit für KoLa zu arbeiten. Es war eine sehr, sehr schöne Zeit dort mit vielen tollen Menschen! Ich bin etwas wehmütig, aber ich freue mich auch schon darauf 2020 um den neuen Acker zu fahren!

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Hallo,

    Sehr schönes Projekt.

    Wäre es möglich hiervon ein paar Hektar mit Permakultur zu bewirtschaften?

    Dadurch bekommt man mehr Vielfalt, es ist möglich, Sorten anzubauen, die nicht überall wachsen, die Bodenfruchtbarkeit wird erhöht, es gibt mehr Erträge und nach ein paar Jahren ist das ganze quasi ein Selbstläufer in den man weniger Arbeit stecken muss.

    Viele Grüße Tobias

    1. Lieber Tobias,

      Du bist unser erster Kommentator! Cool!! Ich habe selbst mal einen Permakultur – Workshop gemacht – und finde da sind auf jeden Fall viele wichtige Dinge dabei, die wir bei uns integrieren. Wir wollen einen höheren Anteil an Gründüngung anbauen (über 30 % – im Ökolandbau sind sonst 25 % vorgesehen), mittels Mulchwirtschaft á la Johannes Storch (siehe hier) wollen wir möglichst den Boden immer bedeckt halten – und so einen lebendigen Boden aufzubauen. Um die Flächen herum werden wir Hecken pflanzen – dies hat schon bei unserem „Vorbetrieb“ der Roten Beete sehr gut geklappt – mit Unmengen von Schmetterlingen als Ergebnis. Da wir es aber auch schaffen wollen gute und gleiche Löhne für Alle zu zahlen denken wir auch ökonomisch. Unser Fokus liegt daher auch auf einen ökologischen, sozialen aber auch effizienten und mglst. bald produktiven Gemüsebau – Das heißt wir können leider nicht alle Ideen umsetzen. Aber es gibt in Leipzig noch die Gruppe solawie Neuland. Die haben auch einen größeren Batzen Fläche und vielleicht könntest du die mal fragen? liebe Grüße, Eva

Schreibe einen Kommentar

Menü schließen