Nitrat im Spinat

In den letzten Wochen hattet ihr den ersten Spinat aus den Gewächshäusern in den Kisten. Nun hat uns eine Anfrage bzgl. bedenklicher Nitratwerte erreicht. Gerade wenn ihr Babys oder Kleinkinder habt, ist dies ein wichtiger Punkt – Danke für euren Hinweis dazu mal einen Beitrag zu verfassen!

Was ist Nitrat?

Nitrat ist eine Stickstoffverbindung, welche im Boden und im Grundwasser vorkommt. Pflanzen, inklusive Blatt,- und Wurzelgemüse speichern Nitrat und bilden daraus Proteine. Dies ist ein für die Pflanzen lebensnotweniger Prozess – ohne Nitrat können Pflanzen keine Blattmasse aufbauen und es gäbe demnach auch kein Gemüse.

In einigen Pflanzen reichert sich jedoch Nitrat in größeren Mengen an, welches für Kinder, Kleinkinder und eventuell auch Erwachsene nicht ganz ungefährlich ist. Nitrat an sich ist nicht gesundheitsgefährdend. Es wird allerdings durch Verdauung, aber auch durch längeres Erhitzen oder längere Lagerung zu Nitriten oder Nitrosaminen abgebaut.

Warum sind Nitrite und Nitrosamine bedenklich?

„Nitrit kann im Körper den Blutfarbstoff Hämoglobin zu Methämoglobin oxidieren. Während Erwachsene Methämoglobin wieder in Hämoglobin umwandeln können, sind Säuglinge und Kleinkinder dazu noch nicht in ausreichendem Maß in der Lage. Das Hämoglobin steht somit nicht für den Sauerstofftransport im Blut zur Verfügung, was im schlimmsten Fall zum Tod führen kann. Das Krankheitsbild (Blausucht) wird in Deutschland aber praktisch nicht mehr beobachtet.“ (s. Food-Monitor.de, Jan. 2020). Nitrosamine wiederum stehen unter starken Verdacht krebserregend zu sein und sind damit auch für Erwachsene schädlich.

Was führt zu erhöhten Nitrat,- Nitrit,- bzw. Nitrosamin-Gehalten?

Die Nitrat-Werte im Gemüse schwanken stark nach Saison, dem Erntezeitpunkt, Düngung, Lagerung und Zubereitung. Generell kann man von folgenden „Faustformeln“ ausgehen: Je weniger Licht beim Wachstum und bei der Ernte, desto mehr Nitrat im Spinat. Spinat, welcher im Sommer oder Frühjahr gewachsen ist, reichert daher weniger Nitrat an, als Spinat, welcher aus dem beheizten Gewächshaus stammt und im Winter geerntet wurde.

Spinat, welcher bei bewölkten Himmel oder frühmorgens geerntet wird, hat ebenfalls eher mehr Nitrat, als Spinat, welcher am Nachmittag an sonnigen Tagen geerntet wird. Denn Nitrat baut sich durch Sonneneinstrahlung deutlich ab. Noch stärker wirkt sich die Düngung auf die Nitratwerte im Spinat aus. Stickstoffreicher, schnell verfügbarer Dünger, welcher insbesondere im konventionellen Landbau eingesetzt wird, kann nicht nur im Grundwasser, sondern auch im Gemüse zu einer erhöhten Nitratbelastung führen.

Schlussendlich kann auch ein erneutes Erwärmen bzw. vor Allem eine zu lange oder falsche Lagerung beim Spinat bedenklich sein, da sich so Bakterienkulturen etablieren können, welche Nitrat schon vor der menschlichen Verdauung in Nitrit umwandeln.

Wieviel Nitrat hat der KoLa-Spinat?

Das können wir tatsächlich nicht genau sagen. Wir haben den Spinat bisher nicht testen lassen, da wir das Risiko einer Nitratbelastung für sehr gering halten und eine Testung bei über 300 verschiedenen Kultur-Sätzen für uns ein großer, zusätzlicher Aufwand wäre. Warum halten wir das Risiko für sehr gering? Wir düngen nicht mit stickstoffreichen, tierischen Flüssig-Dünger, sondern mit ökologischem, rein-pflanzlichem Festdünger (Link zu unserem Dünger). Auch damit wir sparsam. Unsere Bodenanalyse hat weiterhin eher niedrige Stickstoffwerte ergeben. Zudem haben wir keine beheizten Gewächshäuser und ernten nur nach Saison – der größte Teil kommt aus dem Freiland.

Wir denken eine erhöhte Nitratanreicherung ist eher in Betrieben (aber auch im eigenen Garten) zu erwarten, wo konventionell oder ganz einfach zu viel gedüngt wird. Hier ist auch die Dünge-Wirkung von Kompost nicht zu unterschätzen, da dieser in vielen Fällen sehr stickstoffreich ist!

Was kann ich zu Hause tun, wenn ich auf Nummer sicher gehen will?

Zusammengefasst: Frisches, saisonales Bio-Gemüse, insbesondere aus dem Freiland gilt als besonders nitratarm und wiederholtes Aufwärmen insbesonders nach falscher bzw. zu langer Lagerung sollte vermieden werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass Babys & Kleinkinder nach dem Verzehr an Blausucht erkranken ist aber äußerst gering. 

Es gibt zudem eine gute Nachricht für den Verzehr von nitrathaltigen Gemüse laut der Seite foodwatch.org: „Vitamin C, Vitamine E und Polyphenole, also sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe, hemmen die gefährliche Nitrosamin-Bildung. Da die meisten Gemüsesorten bereits reich an Vitaminen und sekundären Pflanzeninhaltsstoffen sind, ist die Bedenklichkeit von nitrathaltigem Gemüse für die menschliche Gesundheit gering. Generell überwiegen die Vorteile einer gemüsereichen Ernährung die Risiken durch die Aufnahme von Nitrat beziehungsweise Nitrit.“ (foodwatch.org, Aug, 2017)

Und zu guter Letzt: Es gibt relativ günstige Geräte für den privaten Hausgebrauch, womit es möglich ist Lebensmittel, wie Gemüse oder auch Fleisch auch zu Hause auf den Nitratgehalt zu testen. Falls ihr Babys oder Kleinkinder habt und aus denen kleine Popeyes machen wollt, macht es evtl. Sinn sich so ein Gerät zuzulegen – oder ihr solltet es eben einfach nicht übertreiben bei der „Verfütterung“. Einmal pro Woche Spinat,- auch aus dem Gewächshaus sollte in der Regel kein Problem sein (Da es sich um die Gesundheit eurer Kinder handelt, ich keine Ärztin bin & ich für diesen Beitrag lediglich Internet-Quellen nutze, möchte ich mich hier jedoch nicht zu weit aus dem Fenster lehnen!)

Also wenn ihr absolut auf Nummer sicher gehen wollt, verzichtet entweder auf die Verfütterung von Spinat oder legt euch ein Gerät zum Testen zu: Teilt dann auch gerne die Ergebnisse mit uns,- und den anderen Mitgliedern. Falls es da doch tatsächlich zu problematischen Werten kommen sollte (wovon wir wirklich nicht ausgehen) – würden wir natürlich umgehend Maßnahmen ergreifen.

Meldet euch gerne falls ihr hierzu noch Anmerkungen oder Fragen habt.

Dieses Vorhaben wird gefördert von:

EPLR
Geplant ist: ein modernes Niedrigenergiegewächshaus
zur nachhaltigen Produktion von Fruchtgemüse
mit einer funktional ausgestatteten Innenwirtschaft
sowie effizienter Bewässerungstechnik und
eine Richthalle für die Aufbereitung und Lagerung des Gemüses.
Förderung über die Richtlinie “Natürliches Erbe”. Gefördert wird die Anlage von Hecken und Feldgehölzen.
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Förderungen für Genossenschaften
als immaterielles UNESCO-Weltkulturerbe
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Die KoLa Leipzig eG befindet sich im Öko-Zertifizierungsverfahren von:

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