Das geplante Gewächshaus

Fruchtgemüse – die Wärmeliebenden

Tomaten gehören zu dem beliebtesten Gemüse der Deutschen. Und auch wir von KoLa Leipzig möchten unsere Mitglieder mit frischen und gesunden Tomaten versorgen. Doch nicht nur die Paradeiser, wie die Tomaten in Österreich genannt werden, sondern auch Auberginen, Paprika und Gurke sollen den Teller unserer Mitglieder bunter machen.

Was diese Arten gemein haben: Sie mögen es gerne warm. Um schon vor den Eisheiligen Mitte Mai das Fruchtgemüse pflanzen zu können und den Treibhauseffekt zu nutzen baut man dieses Gemüse vorwiegend im geschützten Anbau an. Geschützter Anbau heißt: Anbau im Folientunnel oder im (Glas)gewächshaus.

In den ersten 2 bis 3 Jahren wird KoLa Leipzig dieses Fruchtgemüse im Folientunnel anbauen – also in halboffenen Systemen. Auch wenn Folientunnel bereits einen früheren Start als im Freiland erlauben (Anfang Mai) und die Pflanzen vor Regen geschützt sind: Es geht noch besser! Um die Erträge der Pflanzen durch die  Einstellung optimaler Wachstumsbedingungen und eine noch zeitigere Pflanzung zu erhöhen ist der Anbau in „richtigen“ Gewächshäusern sinnvoll. … höhere Erträge, zeitiger Anbau… Vielleicht fragen Sie sich gerade: Ist das ökologisch, wollen wir das überhaupt? Doch was spricht für ein Gewächshaus und wie können negative Aspekte abgemildert werden? Dem wollen wir im Folgenden auf den Grund gehen.

Besuch GWH
Dieses Bild von wunderschönen Paprikas im Glasgewächshaus stammt nicht von uns, sondern von dem Schweizer Betrieb Biofresh , welchen Birgit und Jan-Felix letzten Sommer besucht haben

Warum ein „richtiges Gewächshaus“

Der Hauptvorteil eines „richtigen“ Gewächshauses ist, dass hier die Umweltbedingungen (z.B. Klima, Wasser) für die Pflanzen deutlich besser und genauer zu steuern sind als im Folientunnel. Dieses wird durch den Einsatz von ausgeklügelten Steuerungs- und Automatisierungssystemen erreicht. So erfolgt die Bewässerung der Pflanzen in Abhängigkeit der Lichtsumme: mehr Licht – höherer Wasserbedarf. Die Kunst bei der Bewässerung ist es den Bedarf der Pflanzen zu decken ohne dass das kostbare Gut ungenutzt versickert. So können durch eine reduzierte Bewässerung bei geringer Lichtmenge die Wasserverluste durch Versickerung minimiert werden. Die Luftfeuchte wird durch eine ausgeklügelte Software über das Öffnen und Schließen der Lüftungsklappen im Dach geregelt. Das Einstellen der optimalen Luftfeuchte in den Gewächshäusern ist eine Kunst für sich. Zu trocken darf es nicht sein – aber zu feucht auch nicht. Wenn die Luft zu trocken ist, dann wächst die Pflanze nicht, da sie zum Eigenschutz die Transpiration einstellt (geschlossene Stomata à kein Luftaustausch à kein CO2 fürs Pflanzenwachstum). Bei zu feuchter Luft reduziert sich auch wieder die Transpiration der Pflanzen – aber von größerer Bedeutung bei zu viel Feuchte ist jedoch, dass sich Pilze besonders wohl fühlen und den gesamten Bestand dahinraffen könnten. Und dann ist da noch der Konflikt mit der Temperatur. Denn auch die Temperatur im Gewächshaus wird u.a. durch das Öffnen und Schließen der Lüftungsklappen geregelt. Hier gilt es die richtige Feinabstimmung zwischen Luftfeuchte und Lufttemperatur zu finden. Durch die kulturspezifische Steuerung lassen sich die Wachstumsbedingungen für die Pflanzen optimieren und infolge dessen die Erträge pro Pflanze und Flächeneinheit erhöhen. Durch die höhere Flächenproduktion wiederum steht der wertvolle Boden für die Produktion anderer Lebensmittel zur Verfügung. Ein weiteres Argument für ein Glasgewächshaus ist, dass die Folien für die Tunnel in regelmäßigen Abständen (7-10 Jahre) erneuert werden müssen, sodass neben sehr viel Arbeit, große Mengen Abfall anfallen.

Ein Gewächshaus planen

Für uns liegen die Vorteile eines Gewächshauses auf der Hand und unser Traum ist es ein Niedrigenergie-Glasgewächshaus zu bauen. Einen Teil des Gewächshausbaus möchten wir uns gerne von der Investitionsförderung des Freistaates Sachsen fördern lassen – die Förderhöhe beträgt bis zu 35 %. Den Förderantrag haben wir kurz vor der Einreichfrist am 30.03.2020 eingereicht. Bis dahin mussten wir also eine recht genaue Vorstellung davon haben, was wir wollen und ein, nein sogar drei fertige Angebote vorliegen haben.

Zunächst mussten wir uns selbst erstmal darüber klar werden, was wir wollen. Um einen Eindruck über die vielfältigen Möglichkeiten zu bekommen, haben wir verschiedene Biohöfe besichtigt, die einen Teil ihres Gemüses in Gewächshäusern oder Folientunnel anbauen. Wir lernten viele tolle Bioproduzent*Innen kennen, die viele ihrer Erfahrungen offen mit uns teilten. Schnell wurde uns klar: Wir wollen nicht nur in Folientunneln, sondern aus den oben genannten Gründen in einem richtigen  Glasgewächshäusern produzieren. Lernen mussten wir, dass die heutigen Glasgewächshäuser i.d.R. scheinbar gar nicht aus Glas sind, sondern aus 5-Kammer-Polykarbonatplatten bestehen. Wir setzen jedoch auf Isolierglas. Das ist langlebiger und es vergilbt nicht.

Die Haupt(ausrüstungs)merkmale des geplanten Gewächshauses sind:

  • 8 m Giebelhöhe – durch den großen Luftraum über den Pflanzen lässt sich das Klima besser steuern
  • 2 Energieschirme um den Heizenergiebedarf v.a. in der Nacht zu reduzieren (Reduzierung des Luftvolumens)
  • eine automatisierte Bewässerungs- und Klimasteuerung um optimale Klimabedingungen im Gewächshaus zu ermöglichen
  • 3 Abteilungen die durch Trennwände voneinander getrennt sind und separat steuerbar sind – dadurch können wir für jede Kultur separat die optimalen Wachstumsbedingungen schaffen
  • Insektenschutznetze vor den Lüftungsklappen – als präventive Maßnahme vor einwandernden Schädlingen
  • Extra weite Öffnung der Lüftungsklappen und extra große Lüftungsfenster – durch das Insektenschutznetz ist die Luftwechselrate, die im Sommer zur Luftfeuchte- und Temperaturregelung möglichst hoch sein soll, etwas eingeschränkt; durch die speziellen Lüftungsfenster kann dem etwas entgegengesetzt werden
  • Dachreinigungsanlage – durch eine regelmäßige Reinigung der Dachfläche wird die Lichtausbeute im Gewächshaus erhöht und Licht wirkt sich direkt auf den Ertrag aus
  • Weiße Beschichtung der Innenbauteile – dadurch wird auftreffendes Licht reflektiert und steht den Pflanzen zur Verfügung was sich wiederum positiv auf den Ertrag auswirkt.
  • Maulswurfssperre um das Eindringen dieser kleinen Insektenfresser aus unserem Gewächshaus fern zu halten

Für den Antrag auf Investitionsförderung haben wir anschließend Angebote eingeholt – damit starteten wir bereits im Sommer 2019. Da die Niederländer ja bekannterweise Spitzenreiter im Gewächshausanbau sind, haben wir uns dort nach Gewächshausbaufirmen umgeschaut. Viele verschiedene, sehr nette und geduldige Vertreter unterschiedlicher Firmen haben wir getroffen. Haben unzählige Male mit ihnen telefoniert, Pläne abändern lassen und Angebote anpassen lassen. Schon früh wurde uns klar – der Traum von 1,7 ha unter Glas wird im ersten Schritt leider nicht realisierbar sein. Zunächst müssen wir mit einer kleineren Version von knapp 0,65 ha Glasgewächshaus beginnen. Denn bereits das „kleine“ Gewächshaus kostet gut 1,6 Millionen Euro. Das ist viel Geld. Wenn alles gut läuft, könnten wir bis zu 560.000 € Investitionsförderung bekommen. Die sind auch bitter nötig! Bleiben dann noch gut 1 Million € die wir benötigen und wir hoffen über Direktkredite unserer Mitglieder und Bankdarlehen unseren Traum von einem energieeffizienten Gewächshaus finanzieren zu können.

Mit dem Bau möchten wir gerne im Jahr 2022 starten damit es zum Herbst 2022 fertig ist und wir die ersten Winterkulturen anbauen können. Im Folgejahr werden dann Tomaten, Auberginen, Paprika und Gurken angebaut. Wir werden jeweils ganz verschiedene Sorten anbauen. Das bringt den Vorteil, dass für alle Geschmäcker etwas dabei ist, wir die Produktionssicherheit erhöhen da die unterschiedlichen Sorten unterschiedlich auf ihre Umwelt (Klima, Schädlinge, Krankheiten) reagieren und wir Erfahrungen mit den unterschiedlichen Sorten sammeln können. Gerne möchten wir auch das Feedback unserer Mitglieder in die Sortenwahl einfließen lassen.

Die aktuelle Lage 2020

Bereits in diesem Jahr werden wir im Folientunnel ca. 1000 Tomatenpflanzen verschiedenster Sorten angebaut. Unsere Genossen & Genossinnen dürfen sich auf gelbe und rote Cherrytomaten, verschiedene Cocktailtomaten und normalfruchtige Tomaten freuen. Insgesamt bauen wir im ersten Jahr 7 unterschiedliche Tomatensorten an. Bei der Paprika sind es 6 Sorten: gelbe, rote, orange, Block- und Spitzpaprika sowie eine Peperoni. Bei den Auberginen arbeiten wir im ersten Jahr nur mit 2 Sorten – eine birnenförmige und eine Runde. Bei der Sortenauswahl haben wir darauf geachtet, dass sie für den Bioanbau geeignet sind, also bereits eine Resistenz oder erhöhte Widerstandskraft gegenüber Krankheitserregern haben. Guten Appetit!

Die nächsten Wochen wird es Auberginen geben!