Die Hecken werden gepflanzt!

Gerade sind Hauke und Paula auf den neuen Flächen in Plösitz und hauen alle paar Meter mit einer am Traktor befestigten Pfahlramme Holzpflöcke in den Boden. Eine Reihe links – eine Reihe rechts. Und in der Mitte 6 Meter Platz. Das wird der Wildschutzzaun für die Hecke. Hier findet ihr dazu ein Kleines Video.

Anfang November werden die kleinen Sträucher und Bäumchen angeliefert. Dabei freuen wir uns über viele helfende Hände. Am 7.11. gibt es daher einen Heckenpflanztag auf der Fläche. Anmelden könnt ihr euch dazu hier

Doch was genau ist warum geplant? Hier ein Überblick über die Pflanzung der Hecken von Hauke:

Bläulinge werden hoffentlich bald bei uns ein zu Hause finden: 75 % der der Arten leben myrmekophil: Das heißt sie leben von und mit Ameisen.

Ziele der Heckenpflanzung

A Schaffung von Lebensräumen

Durch die Kombination von Hecken und Gemüsegärten werden Lebensräume für Arten vervollständigt, die in herkömmlicher Landwirtschaft keine Lebensbedingungen mehr finden.

  • Überwinterung und Rückzugsort für typische Feld- und Wiesenarten

Während der Nutzung anliegender Flächen können sich Arten in die anliegenden Hecken zurückziehen. Innerhalb der dauerhaft bestockten Fläche setzt eine Streubildung ein, welche über die Jahre eine organische Schicht anhäuft in denen beispielsweise Schmetterlingsraupen überwintern können.

  • Verbesserung von Brutbedingungen

Die Hecke bietet Brutgelegenheiten und -material für Boden- und Hochbrüter.

  • Symbiose-Wirkung durch Antagonisten

Eine strukturreiche Hecke kann den Lebensraum für zahlreiche Antagonisten zu Gemüsepflanzen-schädigender Insektenarten bilden.

  • Ganzjährige Ernährungsgrundlage für Insekten und Vögel

Blüten- und Beerenreiche Pflanzensorten sorgen für die Lebensgrundlage eines großen Spektrums bedrohter Arten

 

B Boden und Verbesserung des Wasserhaushaltes

Durch eine Verringerung von Bodenerosion durch Wind wird dem Verlust von humusreichen Oberböden entgegengewirkt und somit bodenökologische Prozesse erhalten. Auf sandreichen Böden Sachsen besteht ein besonders hohes Erosionsrisiko.

Zusätzlich verringern Hecken die Verdunstung, stabilisieren die Bodenfeuchte und fördern die Taubildung anliegender Flächen.

 

So sah der Boden im Dürresommer 2018 auf den Flächen aus.

C Verbindung von Lebensräumen

Durch Bebauung und der Vergrößerung der landwirtschaftlichen Flächenstruktur sind wurden die Vernetzung von Biotopen zunehmend zerstört, was zu einer großflächigen Abnahme der Artenvielfalt geführt hat. Insbesondere für Insekten und Vögel stellen großräumig verbundene Lebensräume eine Grundlage dar.

Durch die Hecke kann hier bespielsweise der Stadtpark Taucha und die Ausgleichsfläche an der Autobahnabfahrt Leipzig-Ost verbunden werden.

Unsere Fläche liegt links von Plösitz direkt am Margarethenweg

Aufbau

Mehrschichte Hecken bringen die größte Lebensraumvielfalt mit sich, daher sollten durch Heckenkonzeption Boden-, Kraut-, Strauch- und Baumschicht abgedeckt werden.

Die Pflanzung der Straucharten erfolgt gruppenweise mit Pflanzabständen von 0,5 bis 1 m. Mittig der Gruppen werden für die schichten-Variation Bäume zweiter Ordnung gepflanzt. Zwischen den Gruppen bestehen Abstände von 1,5 bis 4 m. Hier bildet sich der Krautsaum. Die heterogenen Abstände zwischen den Gruppen und den Einzelpflanzen erhöhen die ökologische Diversität.

 

Artenauswahl:

Wildbirne

Blühtenreichtum, Lebensgrundlage für Bienen und andere Insekten, Früchte als Nahrungsquelle für Säuger im Winter, Strauchartiger wuchs trotz Höhenwachstum, seltene Art

Wildapfel

Blühtenreichtum, Lebensgrundlage für Bienen und andere Insekten, Früchte als Nahrungsquelle für Säuger im Winter, Strauchartiger wuchs trotz Höhenwachstum, seltene Art

Pfaffenhütchen

Früchte bilden die Nahrungsgrundlage für insgesamt 24 Vogelarten. Reich an Blüten und Nektar.

Roter Holunder

Nahrungsquelle für insgesamt 62 Vogelarten

Weißdorn

Blütenreichtum, insbesondere bedeutsam als Lebensraum für 54 Schmetterlingsarten. Habitus eignet sich sehr als Brutgelegenheit

Hundsrose

Hochfrequentierte Nistplätze, Früchte bieten Nahrungsgrundlage für Vögel im Winter

Hasel

Nahrung für Käfer, Raupen; junge Triebe: Nahrung für Käfer; Früchte: Nahrung für Käfer, Vögel, Säugetiere

Blutroter Hartriegel

Beliebte Deckung für Wild, Früchte bieten Nahrungsgrundlage für Vögel im Winter, Blätter stellen sehr geeignete Raupennahrung dar

Besenginster

Blätter: Raupennahrung, Nahrung für Säugetiere; Blüten: Pollen für Wildbienen, Hummeln, Ameisen

 

Pflege:

Wildschutz

Aufgrund des ausgeprägten Wildbestandes und der Strukturierung der benachbarten Flächen der KoLa Leipzig ist eine ein hohes Verbiss-Risiko der Jungpflanzen vorhanden. Dem wird mittels eines Rehwildzaunes entgegengewirkt.

Schutz vor Nagern

Um die frischen Pflanzen vor Nagern zu Schützen wird auf eine integrative Schädlingsbekämpfung gesetzt. Es werden Sitzmöglichkeiten über die Fläche für Greifen und Eulen über die Fläche verteilt, die ihnen die Jagd auf Nager erleichtert. Somit kann ohne Einsatz künstlicher Mittel der Nagerbestand auf ein verträgliches Maß gehalten werden.

Mulchen oder Niedertreten von Konkurrenzvegetation im Folgejahr

Durch regelmäßiges Mulchen bleibt die Erde feucht und die Hecke wird vor einseitiger Verunkrautung geschützt. Dadurch bekommen viele verschiedene Arten eine Chance und es setzen sich nicht einfach nur die stärksten durch.

Bewässerung

Die Artenzusammensetzung wurde so gewählt, dass die Arten möglichst gut mit Trockenheit umgehen können, dennoch ist es gerade am Anfang, wenn die Wurzeln noch nicht so tief sind unabdingbar regelmäßig zu bewässern.

Strukturelemente

Die Ränder der bewirtschafteten Flächen werden durch Solitäre und Baumreihen begleitet. Diese erweitern das Heckenkonzept werden artenspezifisch auf die Zusammensetzung der Hecke angepasst. Für sie sind aus Streuobstsorten oder Traubeneiche vorgesehen.

Am Rand der Heckenabschnitte und am Stamm der Solitäre wird der Lebensraumvielfalt durch die Errichtung von Lesesteinhaufen, Totholzhaufen, Trockenmauern sowie kleinen Tümpeln erweitert. Diese stellen wichtige Refugien für einige Insekten- und Amphibienarten dar.

Brutgelegenheiten

Solang die natürlichen Brutgelegenheiten in den ersten Jahren noch heranwachsen, soll diese vorerst durch Nistkästen ein wenig ausgeglichen werden. Diese werden an Randbäumen oder Aufstellpfosten in der Fläche platziert.

Quellen Bilder

Photo by Boba Jaglicic on Unsplash (Hundsrose mit Hagebutten)

Photo by ali shirali on Unsplash (Weißdorn)

Image by Jens Schlömer from Pixabay (Roter Holunder)

Image by klimkin from Pixabay (Drossel im Apfel)

Image by WikimediaImages from Pixabay (Hundsrose)

Image by Hans Braxmeier from Pixabay (Wilde Birne)

Image by Светлана Бердник from Pixabay (Pfaffenhütchen)

Image by Couleur from Pixabay (Besenginster)

Image by Thomas B. from Pixabay (Ginster mit Biene)

Dieses Vorhaben wird gefördert von:

EPLR
Geplant ist: ein modernes Niedrigenergiegewächshaus
zur nachhaltigen Produktion von Fruchtgemüse
mit einer funktional ausgestatteten Innenwirtschaft
sowie effizienter Bewässerungstechnik und
eine Richthalle für die Aufbereitung und Lagerung des Gemüses.
Artistic_For_Combinations_kleiner
Förderungen für Genossenschaften
als immaterielles UNESCO-Weltkulturerbe
csm_Logo-Nachhaltiges-Leipzig_6403ec03ec
mitmachfond
Logo_Social_Impact_Lab_Leipzig-1024x631

KoLa Leipzig wird ökozertifiziert von:

de_logo_abcert_oeko_vlog